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Dr. Bernd Ullrich

Beiträge zur Stadtgeschichte
- Vor 585 und 565 Jahren - Zerstörung Frankenbergs infolge kriegerischer Ereignisse

Vor 585 und 565 Jahren - Zerstörung Frankenbergs infolge kriegerischer Ereignisse sowie Aufbau und Neuorganisation des Ortes


In den Jahren 1430 und 1450 wurde unsere Stadt innerhalb von zwanzig Jahren zwei mal zerstört. Dies bedeutete, dass die gerade rund 250 Jahre bestehende Siedlung Frankenberg, schwere Belastungsproben zu überstehen hatte.

Die ersten Verheerungen sollen über Frankenberg in der Zeit der Hussitenkriege (1419 bis 1439) im Jahre 1430 hereingebrochen sein. Der sogenannte „Vierte Kreuzzug“ führte die Hussiten ab dem Sommer 1429 auch durch Sachsen, was 1430 zu Zerstörungen in dem noch jungen und durch keine Stadtmauer geschützten Ort Frankenberg führte.
 
Katastrophaler war die vollständige Zerstörung Frankenbergs im sogenannten „Sächsischen Bruderkrieg“ im Jahre 1450. In diesem Krieg ging es von 1446 bis 1451 um die Auseinandersetzungen, die im Gefolge der Teilung der wettinischen Herrschaftsgebiete zwischen den Brüdern Herzog Wilhelm III. (der Tapfere) und Kurfürst Friedrich II. (der Sanftmütige) geführt wurden. Herzog Wilhelm III. hatte dabei den Böhmenkönig Georg von Podiebrad (1420 – 1471) um militärische Unterstützung gebeten. Dieser fiel von Böhmen kommend mit etwa 20.000 Soldaten im August 1450 in Sachsen ein.
 
Am 17.08.1450 legten diese verbündeten böhmischen Truppen Frankenberg und das Schloss Lichtenwalde in Schutt und Asche. Die meisten Gebäude Frankenbergs wurden zerstört und nur wenige Häuser blieben verschont. Selbst die Kirche scheint dabei vernichtet worden zu sein. Nach dem Frankenberger Pfarrer Rost fand man im Jahre 1739 beim Abbruch der baufälligen alten Frankenberger Stadtkirche einen knochen gefüllten Krug mit dem Siegel des Meißener Bischofs Caspar von Schönberg (1395 - 1463) im alten Kirchenaltar eingemauert. Dies könnte auf einen Neubau der zerstörten Frankenberger Kirche kurz nach ihrer Vernichtung im Jahre 1450 hindeuten.
 
Die totale Zerstörung Frankenbergs führte aber auch zu neuen Chancen beim Wiederaufbau und der Neuorganisation der Kommune. Während im primär gegründeten Waldhufendorf Frankenberg die Hausquerseiten senkrecht zur Hauptdurchgangsstrasse (heute Straßenzug Baderberg - Markt - Schloßstraße) ausgerichtet waren, kehrten sie nach dem Wiederaufbau nach 1450 (bis heute), ihre Längsseiten diesem Straßenzug zu.
 
In dieser Zeit gab sich Frankenberg auch einen Rat und Bürgermeister, wobei nicht ganz klar ist, ob diese städtische Neuorganisation bereits vor der Zerstörung des Ortes im Jahre 1450 oder erst 1457 eingeführt wurde. Damit wurde Frankenberg Stadt.
 
Auch ist die Einrichtung eines Frankenberger Rathauses in diese Umbruchzeit, sicher nach der o.g. Zerstörung des Ortes, einzuordnen. Etwa zeitgleich ist die Gründung einer ersten Schule in Frankenberg anzunehmen.
 
Neben der städtischen Neuorganisation Frankenbergs ist auch eine Stärkung des Bürgertums der neu entstandenen Stadt beobachtbar. Die Grundherren von Schönberg (Sachsenburg) stärkten in dieser Zeit die Handwerker der jungen Stadt, indem sie schriftliche Satzungen (Innungen) ausgaben. So bestätigten sie 1464 den Innungsbrief der Leineweber, der u.U. auch schon vor 1450 entstanden sein kann, 1467 den Innungsbrief der Tuchmacher und 1482 wurde der Walkmühleninnungsbrief der Tuchmacher erneuert. 1483 erhielten die Frankenberger Fleischer ihren Innungsbrief, während 1502 der Innungsbrief der Schuhmacher bestätigt wurde.
 
Auch der Erlass einer Feuerordnung für Frankenberg durch Caspar IV. von Schönberg im Jahre 1484, trug wesentlich zur Neuorganisation des Lebens in der Stadt Frankenberg nach seiner schrecklichen Zerstörung im Jahre 1450 bei.

Dr. Bernd Ullrich
Stadtchronist