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29.01.2016 - Kleinstadtidylle statt Brennpunkt

Frankenberger Markt:
Kleinstadtidylle statt Brennpunkt



Während im Internet das Gefühl von Angst und Unruhe verbreitet wird, zeigt sich in der Realität in Momentaufnahmen ein anderes Bild: Pöbelnde Asylbewerber stehen hier nicht im Fokus.

Von Verena Toth
erschienen am 29.01.2016

Frankenberg. Mittwochvormittag. Es herrscht kleinstadttypische Betriebsamkeit auf dem Frankenberger Markt. Mütter schieben ihre Kinderwagen, ältere Herrschaften schlendern Arm in Arm, Kunden stöbern in den Auslagen von Geschäften. Ein junger, dunkelhaariger Mann mit Kopfhörern im Ohr und Handy in der Hand steht an der Hauswand und tippt auf dem Display herum. Die Atmosphäre ist entspannt. Nächste Stichprobe: Donnerstagnachmittag, 17 Uhr, beste Einkaufszeit. Gleiches Bild: Fünf dunkelhaarige Männer rund um den Brunnen und Frankenberger jeden Alters, die an ihnen vorbei und ihren Geschäften nachgehen.

Im sozialen Netzwerk Facebook wird auf einer privaten Frankenberg-Seite aber ein anderes Bild vermittelt. Größere Gruppen von Asylbewerbern belagern demnach täglich das Stadtzentrum, sorgen für Unruhe und sogar Angst unter der Bevölkerung. Beinahe täglich werden Ereignisse gepostet, in denen angeblich Frauen und sogar minderjährige Mädchen angepöbelt oder angemacht wurden. Eine Mutter fühle sich sogar so unsicher, dass sie zum Schutz ihrer Kinder wegziehen müsse. Eine diffuse Angststimmung wird verbreitet.

Doch die Schere zwischen der von einigen Frankenbergern gefühlten und der tatsächlichen Situation in der Stadt geht offenbar immer mehr auseinander. Die Polizei erklärt: Die Sicherheitslage in der Stadt habe sich in den vergangenen Wochen nicht verschärft oder signifikant verändert. Auf Nachfrage zur Situation erklärt Mittweidas Revierleiter Bernd Bauch: "Straftaten mit Ausländer- oder Asylbewerberbezug stellen in Frankenberg keinen Schwerpunkt dar." Auch gelte die Stadt nicht als Brennpunkt in Bezug auf Belästigungen oder Bedrohungen. Andere Behauptungen, die auf der Facebook-Seite in hitzigen Kommentaren aufgestellt werden, werden von der Stadtverwaltung überprüft und als falsch entlarvt. So wurde behauptet, die von der Stadt eingerichtete Asyl-Hotline sei zehnmal angerufen und nicht erreicht worden. Doch: Nur einmal wurde auf dem Display ein verpasster Anruf registriert, so Ordnungsamtschefin Ramona Busch. Allerdings wurde die Nummer außerhalb der veröffentlichten Bereitschaftszeit angewählt. Täglich von 9 bis 12 Uhr ist die 0152 36770933 erreichbar.

Die Hotline wurde für Fragen, Hilfsangebote und auch Beschwerden rund um das Thema Asyl eingerichtet. "Es ist keine Notfallnummer", so Ramona Busch. Sollten sich Frauen und Mädchen belästigt oder in Gefahr fühlen, müssen sie die Polizei verständigen und Anzeigen erstatten. Bislang wurde an der Hotline eine Beschwerde gemeldet.

Die Verkäuferinnen einer Bäckerfiliale am Markt meinen, dass ältere Kunden am Nachmittag den Marktplatz meiden würden, weil sich junge Männer in Gruppen auf dem Markt aufhalten. Zahlen über einen Umsatzrückgang haben sie nicht. Gefragt nach konkreten Vorfällen oder gar Belästigungen, sagen sie: "Nein, es ist hier noch nichts vorgefallen. Die sitzen aber in Gruppen vor unserem Laden rum. Das ist geschäftsschädigend." Ein mulmiges Gefühl habe die Verkäuferin in einem Bekleidungsgeschäft am Markt, wenn sie abends abschließe. Aber auch sie konnte keine Vorfälle berichten. Annemarie Jach, Inhaberin des Presseshops, bestätigt, dass sich Asylbewerber regelmäßig auf dem Markt aufhalten. "Die nutzen das kostenfreie W-LAN", sagt sie. Sie sei weder belästigt noch bedroht worden. "Die Männer grüßen teilweise. Das ist alles."

Um das Konfliktpotenzial zu verringern, bemüht sich die Stadt darum, in der Erstaufnahme in der Kaserne ein W-LAN-Netz einzurichten. In der Hauptausschusssitzung erklärte der Bürgermeister, dass die Ausländerbehörde und die Telekom das Vorhaben abgelehnt haben. Nun werde das kabellose Internet über vier städtische Wohnungen bis in die Erstaufnahmeeinrichtung geleitet. 1400 Euro sowie Monatsgebühren werde das die Stadt kosten.