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Rückblick
22.07.2016 - Stadtraumkonzept Teil II

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

nachdem ich Ihnen in der vergangenen Ausgabe des Amtsblattes das Stadtraumkonzept und seine Gestaltungsprinzipien erläutert habe möchte ich Ihnen an dieser Stelle die unterschiedlichen Raumtypen der Stadt Frankeneberg/Sa., in welche die Kernstadt untergliedert wurde, erklären.

Anhand der Baustruktur und historischer Karten, aktueller Nutzungen, sowie des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes erarbeitete das Landschaftsarchitekturbüro fagus aus Markleeberg 4 Raumtypen. Diese Untergliederung dient als Grundlage für die Standardisierung des öffentlichen Straßenraums. Um eine einfache Handhabung zu gewährleisten erhielt jeder Raumtyp eine Farbe und eine Nummer, die sich im gesamten Konzept wieder finden. Beschrieben wird der jeweilige Raumtyp anhand einem Detailplan aus der Übersichtskarte, einem Steckbrief und dem Gestaltungsziel. Querschnitte, Aufsichten und weitere schematische Darstellungen verdeutlichen die Qualitäten, die der öffentliche Straßenraum im jeweiligen Bereich erhalten soll. Zudem werden die Materialien bebildert.

Raumtyp 1  Mittelalterlicher Stadtkern und Industrielle Stadterweiterung

Der mittelalterliche Stadtkern bildet den Raumtyp 1. Dieser besteht aus einem mittelalterlichen Stadtgrundriss, einer geschlossenen kleinparzelligen Bebauung, einem markanten zentralen Marktplatz, engen Gassen sowie breiteren übergeordneten  Straßen Richtung Norden und Osten.  Hier findet man eine konzentrierte Mischnutzung aus Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen, Verwaltung, Kultur, Schule, medizinische Versorgung, Gewerbe sowie Verkehr. Aus dem Steckbrief geht hervor, dass es hier keine gesonderten Radwege oder –streifen gibt. Das Gestaltungsziel lautet: Die historischen Bereiche sind in ihrer Struktur zu erhalten und zu stärken. Im Zuge von Sanierungsmaßnahmen oder Reparaturen sollen historische oder an historischer Bauweise angelehnte Lösungen angewendet werden. Um den strukturreichen Gebäudebestand besser zur Geltung zu bringen, sollen die einzusetzenden Materialien und Ausstattungselemente hochwertig aber zurückhaltend sein. In der Materialübersicht sind die Beläge für Straßen, Gehwege, Stellplätze sowie Borde und Rinnen genau definiert. Bei der Straße beispielsweise soll Großsteinpflaster in der Farbe Naturstein Granit grau verwendet werden. Stellplätze erhalten wiederum Kleinsteinpflaster in Naturstein Granit grau. Auf den Gehwegen kommen sowohl Natursteinplatten als auch Mosaik zum Einsatz. Auch die Ausstattungselemente wie Schachtdeckel, Straßenleuchte, Sitzbänke oder Pflanzkübel sind explizit ausgewählt und definiert wurden.

Raumtyp 2 Gründerzeitliche Stadterweiterung

Der zweite Raumtyp besteht aus einer Blockrandbebauung mit teilweise kleinen Gebäuden im Hof. Zudem findet man hier eine offene gründerzeitliche Villenbebauung aus  Mehr- bzw. Einfamilienhäusern mit größeren Privatgärten. Die Fassaden sind aufwändig und hochwertig gestaltet worden. Genutzt werden die Gebäude für Wohnen, Kleingewerbe und Einzelhandel, medizinische Versorgung, Büro sowie für Gastronomie. In diesem Gebiet gibt es im Straßenraum Baumreihen, Vorgartenzonen sowie Grünanlagen wie dem Friedenspark. Das Gestaltungsziel lautet: Die klare Struktur der Straßenräume zu erhalten und zu stärken.  Eindeutig gegliederte öffentliche Straßenräume sollen den städtebaulichen Grundsätzen der gründerzeitlichen Stadtplanung entsprechen. Auch hier sind qualitativ hochwertige und zurückhaltende Materialien und Ausstattungselemente zu verwenden. Entlang der Straßen sollen Baumreihen integriert werden. Außerdem soll der Straßenraum den Charakter der reich verzierten Fassaden unterstreichen. Auf der Straße kommt Asphalt zum Einsatz, auf den Gehwegen Betonsteinpflaster. Auch hier wurden die Ausstattungselemente genau ausgewählt.

Raumtyp 3 Neuzeitliche Stadterweiterung und offene Bauweise

Der dritte Raumtyp ist geprägt von großräumig offenen Quartieren am Stadtrand sowie von älteren kleinteiligen Quartieren am Stadtzentrum. Vom Einfamilienhaus bis zum 3-5 geschossigen Zeilenbau. Auch hier findet man eine Mischnutzung aus Wohnen, Kleingewerbe, Einzelhandel und Freizeiteinrichtungen, vereinzelt soziale Einrichtungen, ärztliche   Versorgung, Landwirtschaft und Gastronomie vor.  Vorrangig gibt es in diesem Gebiet Wohnstraßen, Anliegerstraßen und Dorfstraßen mit direktem Anschluss an die Hauptverkehrsachsen.  Eine offene Bauweise mit großen freien Grünflächen, straßenbegleitende Baumreihen und Einzelgehölze sowie grüne Privatgärten. Das Gestaltungsziel lautet: Die funktionelle Gliederung des öffentlichen Straßenraumes zu erhalten und zu stärken. Die durch den Verkehr genutzten Flächen sind als solche zu gestalten und erkennbar zu machen. Öffentlicher und halböffentlicher Raum sollen klar voneinander getrennt sein. Eine einheitliche Gestaltung soll den bunt gemischten Gebäudebestand zu einem Gesamtraum mit hoher Wohn- und Lebensqualität vereinigen.  Im Vordergrund stehen Hochwertige und zurückhaltende Materialien und Ausstattungselemente. Zudem soll die Wohnqualität und die Eigenständigkeit der Quartiere gesteigert werden, ohne den Bezug zur Gesamtstadt zu verlieren.

Raumtyp 4 Gewerbegebiet

Im vierten Raumtyp sind vorrangig gewerblich genutzte Hallenbauten mit großen Grundstücken vorzufinden. Der Versiegelungsgrad der Grundstücke liegt hier sehr hoch. Genutzt werden diese Bauten für Gewerbe, teilweise Einzelhandel, Wohnen und Büro. In diesem Bereich gibt es unter anderem Erschließungsachsen mit direktem Anschluss an die Hauptverkehrsstraßen, nur teilweise Gehwege und keine Radwege. Rasenflächen, Bäume auf Parkplätzen, Grünzüge in Randbereichen und an Grundstücksgrenzen. Das Gestaltungsziel lautet schlicht: Im Vordergrund steht die Funktionalität der Straßenräume. Sie sind im Zusammenspiel mit den Flächen der Gewerbeeinrichtungen zu entwickeln. Zum Einsatz sollen hier Funktional zurückhaltende Materialien mit geringem Pflege- und Unterhaltungsaufwand kommen. Durch den gezielten Einsatz von Baumpflanzungen und Sträuchern können Grünverbindungen zwischen Stadt und Landschaft geschaffen werden. Die Gewerbequartiere sollen ein solides Grundgerüst erhalten, das Ordnung und Sauberkeit sowie Überschaubarkeit vermittelt.

Auch die Übergeordneten Verbindungsstraßen wurden durch das Landschaftsarchitekturbüro fagus in Augenschein genommen. Hierbei handelt es sich um überregional bedeutende und die Ortsteile verbindende Hauptverkehrsachsen. Entlang der Straßen bis an die Siedlungsgrenzen gibt es überwiegend zweiseitige Gehwege. Parken ist entlang der Straße möglich. Teilweise gibt es Radwege auf den Gehwegen sowie straßenbegleitende Baumreihen. Die raumübergreifenden Hauptverkehrsachsen sollen als durchgängiger Vermittler der verschiedenen Raumtypen dienen, so lautet das Gestaltungsziel. Eine einheitliche Gestaltung mit qualitativ hochwertigen und zurückhaltenden Materialien und Ausstattungen soll das Thema der Durchgängigkeit stärken und das gesamte Stadtbild verbessern. Die B 169 entlang der Zschopau im Westen der Stadt Frankenberg/Sa. hebt sich in ihrer Gestaltung ab und erlangt so einen besonderen Status. Die Gestaltung erfolgt adäquat zu Raumtyp 3 „Neuzeitliche Stadterweiterung und offene Bauweise“. Außerhalb der Siedlungsbereiche reduziert sich die Gestaltung der Straßen, sodass Gehwege, Stellplätze und Rinnen entfallen.

Weiterhin hat sich das Büro fagus mit den öffentlich wirksamen Vorgartenbereichen  beschäftigt und Gestaltungshinweise erarbeitet. Sie ist bei privaten Vorgärten in besonders wichtigen Bereichen darauf zu achten, dass diese sich in das Stadtraumkonzept integrieren.  Oft stören Mülltonnen, parkende Autos oder vielfältig gestaltete Pflasterflächen den Gesamteindruck des Straßenraumes. Das Konzept bietet hierfür Anregungen und Hinweise für ein harmonisches Gesamtbild. Beispielsweise wird empfohlen bei Zaunsfeldern die historischen Einfriedungen zu erhalten bzw. Neuanlagen mit historischem Charme zu favorisieren. Auch eine überschaubare geschnittene Hecke kann im Einzelfall als Zaunersatz dienen. Oder Mülltonnen. Diese sollten nicht im Vorgartenbereich untergebracht werden, besser ist eine Unterbringung im Innenhofbereich, die Müllplätze einzugrünen oder unauffällig hinter einer Mauer bzw. dem Zaun einzuordnen. Bei Baumpflanzungen ist ein angemessener Abstand zum Haus zu bewahren. Zu empfehlen sind kleinkronige Bäume. Zusätzliche Blumenkästen auf den Fensterbänken ergänzen das Gesamtbild einer grünen und bunten Stadt Frankenberg/Sa.

Das gesamte Stadtraumkonzept mit allen Erläuterungen und Einzelheiten zu Materialien und Ausstattungselementen können Sie hier noch einmal nachlesen.

Hier gehts zum Stadtraumkonzept Frankenberg/Sa.

Ihr Thomas Firmenich
Bürgermeister